Garten Kieny im Elsass
Faszination eines englischen Cottage-Gartens mitten im Elsass
In Diebolsheim, einem der schönsten, mit Blumen geschmückten Dörfer des Unterrheins, zwischen Straßburg und Colmar, liegt der Garten von Pierrette Kieny. Diese sympathische und enthusiastische Frau, welche zusammen mit ihrem Mann Jean-Luc ein Paradies für Gartenfreunde geschaffen hat, ist verantwortlich für diesen traumhaften englischen Garten mitten im Elsass.
Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass es dem Gartenfreund quasi die Sprache verschlägt, sobald er den Garten betritt. Alsbald wird man in eine andere Welt versetzt, und zwar in die einer passionierten Gartenfrau.
Auf allen Fensterbänken lachen mir prallgefüllte Blumenkästen entgegen und die blau gestrichenen Fensterläden verleihen dem Haus ein ländliches Flair.
An der vorderen Hauswand klettert die Rose „Bobby James“, im Innenhof sind es Eden Rose, New Dawn und Constance Spry, welche ihre zartrosa Blüten öffnen, für eine romantische Stimmung sorgen und einen betörenden Duft verströmen dabei verströmen.
Der ganze Innenhof ist mit feinen Kieselsteinen ausgelegt. Labradorhündin Nina kommt schwanzwedelnd zu mir gelaufen und begrüßt mich. Ihre Schwester Nicky ist im Februar 2008 leider verstorben. Ein ungewöhnliches Bild, denn war man es im Hause Kieny stets gewöhnt, von beiden Hunden fröhlich in Empfang genommen zu werden.
Ein B&B for Gardenlovers
Ich biege links im Hof ab und komme in eine Art Gartenwohnzimmer, ein Stück überdeckte Scheune sozusagen. Hier steht eine hübsche Ansammlung von alten, zinkenen Gießkannen, denen ich auch später im Garten immer wieder begegne. Seit Jahren sammelt die passionierte Gärtnerin diese inzwischen schwer auffindbaren Kannen. Trotzdem wird Pierrette noch fündig und so kommen immer noch einige hinzu, und auch wenn man meinen könnte, es sei kein Platz mehr vorhanden findet Pierrette stets noch ein Plätzchen in ihrem Garten, wo sie ein weiteres Fundstück hinstellen kann. Manchmal kommt es sogar vor, dass ein Gast, der hier genächtigt hat, ihr als kleines Dankeschön beim nächsten Mal eine Gießkanne für ihre Sammlung mitbringt.
Das große elsässische Haus war einmal ein alter Bauernhof und die angrenzende Scheune, in der früher Tabak getrocknet wurde, beherbergt heute ein traumhaftes B&B und zwar ein B&B for Gardenlovers. Eine Oase für jeden Gartenliebhaber.
Gartenbegeisterte aus der ganzen Welt treffen sich hier und oft ist es so, dass jemand der einmal hier war immer gerne wiederkehrt. In Kienys Domizil, dreht sich nun mal alles um das Thema Garten. Der Gast der seinen Urlaub hier verbringt, schläft in Zimmern, welche Namen wie Hortensien,- Laub-, Feldblumen- oder Rosenzimmer tragen. Mit sehr viel Liebe zum Detail ist man dabei vorgegangen. Alte Möbel wurden gesammelt und selbst renoviert.
Am Balkon des Rosenzimmers klettert die Rose Banks. Würde Pierrettes Mann ihr nicht dann und wann einen radikalen Schnitt verpassen, so würden sie womöglich bis in die Zimmer hinein wachsen.
Alle Gästezimmer sind so ausgerichtet, dass sie einen wundervollen Blick in den Garten garantieren. Ein Traum, sich am Morgen vom Zwitschern der Vögel wecken zu lassen.
Im Frühstücksraum, der ebenfalls zum Garten hin liegt, dreht sich wiederum alles um das Thema Garten. Hier findet der interessierte Gartenfreund hunderte von Fachbüchern und es ist ihm vergönnt, bei Schlechtwetter am knisternden Kaminfeuer darin zu stöbern und sich neue Gartenideen zu holen. Gefrühstückt wird aber auch schon mal im Gewächshaus, welches der Vermehrung und Überwinterung verschiedenster Kübelpflanzen dient. Pierrette nutzt es im Sommer auch zum dekorieren mit Pflanzen.
Gerne gibt Pierrette Ratschläge zur Verschönerung eines Gartens. Sie liebt den engen Kontakt mit ihren Gästen. Ihr Pflanzenwissen mit Gleichgesinnten zu teilen macht ihr sehr viel Freude. Manchmal kommt sogar ein Bus mit Touristen aus der Grenzregion angerereist, welche sich dann dem Genuss hingeben können, eine unvergessene Gartenführung zu erleben.
Bei schönem Wetter frühstückt man auch gerne auf der Terrasse, die mit einheimischem Holz verlegt ist.
Während man von dort einen traumhaften Blick in den Cottage Garten mit seinen vielen Sträuchern und Blumen genießt, wehen einem zarte Gerüche der verschiedensten Duftpflanzen in die Nase, wie jene der unzähligen Rosen im Garten.
Rosen in allen Variationen
Pierrette und ihr Mann teilen gemeinsam die Liebe zu den Rosen. Rosen in allen Variationen trifft man hier. Vor allem aber sind es Kletterrosen, die ihr Herz höher schlagen lassen. Pierrette lässt sie an Äpfelbäumen oder an Palisaden hinauf wachsen, die ebenfalls vom Hausherrn entworfen sind, so wie die zahlreichen skurrilen Gartenskulpturen, welche man im Garten der Kienys immer wieder entdeckt.
Auch viele englische Rosen gibt es hier zu bewundern. Unter ihnen New Dawn, Pat Austin, Gertrude Jeckyll, Abraham Darby und Buff Beauty, um nur einige zu nennen. Die Rosen ziehen sich durch den gesamten Garten. Es gibt keinen Teil des Gartens wo nicht irgendwo eine Rose steht. Sie zählen zu der Hauptattraktion dieses romantischen Gartens. Als wäre das aber noch nicht genug, so gibt es noch zusätzlich einen separaten Rosengarten. Alle Rosen sind liebevoll mit selbstgeschriebenen Schildchen versehen, welche an den Blüten hängen. So z.B. R. Cornélia, R. Félicia, R. Westerland, R. Monte-Cristo, R. Ulrich Brunner, R. Charlotte, R. Lichtkönigin Lucia u.v.a. Unterpflanzt werden die Rosen mit verschiedenen Salbeisorten, Ehrenpreis, Bartnelken, Taubnessel, verschiedenen Geranium-Sorten, Mutterkraut oder mit Skabiosen, eine Pflanzengattung aus der Familie der Kardengewächse (Dipsacaeae). Einige Clematispflanzen schlängeln sich ebenfalls durch den Rosenwald. Unglaublich diese Rosenpracht. Das Highlight des Gartens jedoch ist die an der langen Palisade wachsenden Kletterrosen und Rambler Rosa moschata nepaliensis sprich R. Paul´s Himalayan Musk. Eine einmalblühende Schönheit in Hellrosa. Nach der Blüte schneidet Jean-Luc die Pflanze stark zurück, damit man wieder mühelos unter der Palisade hindurch gehen kann. Auch muss ständig kontrolliert werden, ob noch genügend Befestigungen angebracht sind, damit die Palisade nicht unter dem Gewicht der Rose zusammenbricht.
Ich erblicke nun, das neu gebaute Gartenhäuschchen und schaue neugierig hinein. Darin stehen verschiedene Gartengeräte und sind somit stets griffbereit.
Traumhochzeit im Garten Kieny
Neben dem Rosengarten tritt man auf eine Rasenfläche, in deren Mitte ein riesiger Weidenbaum steht, welcher sogar schon einmal zur Kulisse für Hochzeitsfotos diente. Ansonsten dient er jedoch eher zum verweilen, entspannen und genießen. Zudem spendet dieser Baumriese reichlich Schatten an allzu warmen Sommertagen. Seine wie an langen dünnen Seilen befestigenden Blätter wirken wie ein großer Vorhang der vom Himmel herunter ragt. Oft serviert Pierrette auch hier schon mal Selbstgebackenes mit einer leckeren Tasse Tee am liebevoll gedeckten Gartentisch. Während man dann einfach nur die Seele baumeln lässt, genießt man den Blick über den gesamten Garten und kann sich dabei über den herrlichen Rosenduft freuen. Im Geäst der großen Weide zwitschern die Vögel. Da dieser Bereich des Gartens sehr schattig ist, wurden sehr viele verschieden Farne und Hostas gepflanzt. Als Nachbar hat der Weidenbaum eine nicht minder schöne Platane (Platanum x acerifolia) stehen. Man kommt nicht drum herum, ihre faszinierende Rinde zu studieren.
Dann setzte ich mich ins Gras, lausche und frage mich, ob es noch ein größeres Glück für die Familie Kieny geben kann als ihren Garten. Die ganze Familie Kieny lebt und arbeitet für diesen wundervollen Garten.
Der Gemüsegarten
Nun erblicke ich eine mit Harke bewaffnete eifrige Frau im sogenannten Gemüsegarten. Es ist Pierrettes Schwiegermutter. Sie ist zuständig dafür, dass es im Hause Kieny stets frisches Gemüse gibt. Liebevoll kümmert sie sich um den mittelalterlich angelegten Hausgarten der aus acht quadratischen Hochbeeten besteht die man bequem von allen Seiten bearbeiten kann. In der Mitte ein rautenförmiges Beet. Hier gedeihen Tomaten, Salate, Sellerie, Lauch, Zucchini, Erdbeeren, Schnittlauch, Petersilie Mangold, Kohlrabi, Karotten, Johannisbeeren und Himbeeren.
Die Kompostecke besteht aus drei hölzernen Kompostbehältern. Aus einem der Beete verführen die reifen Erdbeeren zum naschen. Es wird biologisch gegärtnert und konsequent auf chemische Spritzmittel verzichtet.
Hinter dem Gewächshaus steht ein weiteres Hochbeet. Hier wachsen Kürbisse, Salate und viele Tomaten. Die Schwiegermutter erzählt mir wie früher auf 150 Are Tabak früher angebaut wurde. Über 60 Jahre lang bauten die Kieny´s hier Tabak an. Heute gibt es in der ganzen Umgebung keine Tabakbauern mehr. Sie erzählt mir wie mühselig diese Arbeit früher war und ich höre ihr gerne zu.
Nun hier endet diese faszinierende Gartenreise. Aber weiß ich es gibt ein Wiedersehen. Da die Gartenbesitzer sich stets neues für ihren Garten einfallen lassen, ist man immer wieder gespannt wie es denn beim nächsten Mal ausschaut, im Gartenparadies der Kieny´s.